Jamiesons Antworten auf Kinderfragen - Rezension

Papa, warum heißt die Ananas nicht Mampf? von Wendell Jamieson

W.Jamieson, Detail Buchumschlag, Goldmann Verlag - Astrid Treumann
W.Jamieson, Detail Buchumschlag, Goldmann Verlag - Astrid Treumann
In einem handlichen Taschenbuch beantwortet der Autor viele teils ungewöhnliche Kinderfragen. Antworten von Fachleuten sind in Erzählmischform hier verständlich lesbar.

Der Autor Wendell Jamieson lebt mit seiner Familie in New York. Er ist Journalist bei der New York Times. Die ständigen Fragen seines siebenjährigen Sohnes Jamie inspirierten ihn dazu, Kinderfragen zu sammeln und zu beantworten. Wenn er sich nicht selbst mit der passenden Antwort auskannte, fragte er Leute vom jeweiligen Fach.

Die Autobahn ist voller Staubsauger

Der Autor schilderte, wie er als etwa Fünfjähriger seinen Vater während einer Fahrt fragte, warum es auf der Autobahn so laut sei. Der Vater antwortete ihm, das es deshalb so laut wäre, weil alle Leute hier in der Gegend gerade ihren Staubsauger in Betrieb hätten. Der Junge nahm dies für bare Münze und fühlte sich später mit diesem Falschwissen schwer blamiert.

Kinder stellen Fragen. Und diese Fragen verdienen nach Meinung von Wendell Jamieson auch eine ehrliche und verständliche Antwort. Somit motivierte ihn das Erlebnis seiner Kindheit sowie die Fragefreudigkeit seines Sohnes dazu, immer mehr Fragen und Antworten zu sammeln. Aus diesem Bemühen entstand das vorliegende Buch, 2007 im Original und 2008 in deutscher Übersetzung. Das handliche Taschenbuch hat inklusiv Danksagung 287 Seiten und ist in 10 Kapitel unterteilt.

Umgang der Eltern mit den Kinderfragen

Der Autor vermutet, das alle Eltern ihre ganz eigene Strategie haben, mit diesem fortlaufenden “Warum” umzugehen. Einige Eltern werden improvisieren, das Lexikon bemühen, online nach einer geeigneten Antwort Ausschau halten. Andere reichen die Frage einfach weiter, frag Deinen Vater, Deine Mutter, Deine Oma, Deinen Lehrer usw..

Dann gibt es die lapidare Antwort “Weiß ich nicht.” mit zuckenden Schultern. Doch so sehr enttäuschen sollte man Kinder nicht, findet der Autor. Eltern zu sein ist sicher anstrengend, doch etwas mehr Mühe geben als einfach zu verneinen, gehört schon dazu.

Antworten von Menschen, die sie im Schlaf herbeten können

Jamieson wollte es sich nicht zu einfach machen und nur Bücher wälzen und im Internet surfen, schreibt er in seiner Einleitung. Er warf seine journalistischen Erfahrungen in die Waagschale und holte sich die Antworten von Fachleuten aller Art. Er wollte nichts erfinden. Er rief Feuerwehrmänner an, sprach mit Paläontologen, Astronauten, Zauberern, sogar mit seiner Schwiegermutter und jedem anderen Menschen, der die geeigneten Dinge wissen und erklären konnte.

Er schrieb das Buch in der Absicht, nichts zu beschönigen oder zu vereinfachen. Die Kinder, von denen er die Fragen sammelte, sollten auch ihre Antwort bekommen - unzensiert, mit allen wissenschaftlichen Einzelheiten. Im Buch stehen immer wieder die Fragen mit dem Namen und Alter des die Frage stellenden Kindes. Darunter steht Name und berufliche Funktion des beantwortenden Erwachsenen. Dann kommt jeweils die Antwort. Zwischen diesen Passagen stehen die Kommentare und Kindheitsgeschichten des Autors zum jeweiligen Thema.

Im Kapitel “Aua, das tut weh!” geht es um die Körpererfahrungen

Beispielsweise im dritten Kapitel beschreibt der Autor die Erfahrungen seiner Kinder bei Arztbesuchen und verknüpft es mit entsprechenden Fragen, die sich in diesem Themenbereich ergeben haben. Er erzählt, wie sehr Kinder vom Phänomen des Schmerzes gefesselt sind, wie schwer es einzusehen ist, das man sich an Papier schneiden kann.

Wie viele Körperteile kann man verlieren und trotzdem weiterleben? ist eine Frage, die von einem neunjährigen Robert aus New York gestellt und von einem außerordentlichen Professor für Chirurgie aus Maryland beantwortet wird. Inhaltlich ist die Antwort für ein Kind recht einfach verständlich geschrieben, wobei man sich beim Lesen der Antwort schon die nächsten Fragen vorstellen kann (z.B. Was ist Dialyse?).

Zur Lesbarkeit des Buches

Viele Fragen sind relativ lang (z.B. “Angenommen, jemand ist gehörlos auf die Welt gekommen und spricht Gebärdensprache oder liest von den Lippen ab - denkt so jemand in Worten oder in Gebärden?”). Doch da die Fragen nach Angaben des Autors original von den angegebenen Kindern stammen, werden sie wohl so formuliert gewesen sein. Die Antworten sind spannend und nicht nur für Kinder durchaus interessant.

Die Antwort der Fachleute birgt oft mehrere Aspekte, die man wohl durch ein einfaches Nachschlagen im Lexikon so nicht rausbekommen würde. Oder die eben wie bei dem letztgenannten Fragebeispiel nur von einem Gehörlosen beantwortet werden kann (in diesem Fall antwortete eine gehörlose Dr. Beth S. Benedict aus Washington auf dies o.g. Frage, das sie abstrakte Dinge in Worten denkt, zwischenmenschliche Beziehungen sich hingegen in Gebärden vorstellt).

Wer ein reines Nachschlagewerk sucht, das übersichtlich Kinderfragen und dazu passende Antworten listet, wird enttäuscht. Der Autor hat hier eine Mischung aus autobiographischen Erzählungen, geschilderten Erlebnissen mit seiner Familie und nach dem Lustprinzip eingestreuten Fragen und Antworten geschaffen.

Es sind überraschende, teils recht seltene Fragen zu finden, doch sind sie nicht nach einem bestimmten Ordnungsprinzip strukturiert. Für werdende Eltern und Eltern mit Kindern im Fragealter ist das Buch trotzdem ein guter Lesetipp.

Wendell Jamieson, “Papa, warum heißt die Ananas nicht Mampf? Ehrliche Antworten auf verblüffende Kinderfragen”, München, Goldmann Verlag, 2008, 287 Seiten, 7,95 Euro

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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